Die Tour der Knickerbocker, hier mit viel Liebe und toller Soundqualität auf CD gebannt, müsste korrekterweise World-Tour heissen, und zwar unabhängig davon, ob die Zürcher nun in Hinterfultigen, New York City oder Timbuktu aufgetreten sind oder nicht. Die multikulturelle Band vereint auf 13 Songs unzählige Musikstile, zu deren Beschreibung man teilweise die klassischen Tänze bemühen muss.
Allen voran Tango und Walzer, aber auch die Polka finden sich etwa auf der Audio-Weltreise von Christoph Gantert (voc, brass, concertina, balafon), Martin Schumacher (voc, reeds, organ), Hansueli Tischhauser (git), Ali Savioni (perc, ex Swandive) und Annatina Escher (bass).
Ein Konzertbesuch der Knickerbocker-Tour könnte man als Erlebnis wohl am besten mit dem Jamiroquai-Bonmot "Travelling without moving" beschreiben. In gut einer Stunde reist man mit den weltgewandten Zürchern in die Karibik, nach Russland, ins tiefste Afrika und über Österreich zurück nach Memphis. Und überall werden wir bereits erwartet und von lokalen Spezialitäten verwöhnt. Dabei sind die Knickerbocker mehr als nur eine rustikale Truppe, die sich an den verschiedenen Volksmusiken erfreut. Besonders interessant wird es, wenn verschiedene Musiklandschaften miteinander verbunden werden. In "Habia una vez Tango" vermischt sich so etwa ein Dub-Echo mit dem passionierten Leidenschaftstakt des Tangos. Die Knickerbocker halten sich da glücklicherweise auch nicht an den Grundsatz eines Stils pro Song. Die Musik entwickelt sich konstant während des Albums und bleibt ständig in Bewegung. Dass die Melodien bei aller Vielfalt nichts an Echtheit und Intensität verlieren, zeichnet die musikalisch weitgereiste Band ganz besonders aus.

Text: Monthy


Tagesanzeiger, 17. Mai 2008

In Zürich fliessen die grossen Kulturströme der Welt in ihrer ganzen Breite. Dass ihr auch Töne aus sämtlichen Herrenwinkeln der Erde greifbar sind, zeigt schon der Blick auf die neue CD der Zürcher Kapelle Knickerbocker. Dies ist ein Eintopfgericht, in das alles Mögliche hineingeworfen wurde, Hauptsache, die Musik hat Charme, Witz und Knalleffekte. Und menschlich geht es zu bei dieser Truppe. Die Klamauk-Jazzer um den ebenso witzigen wie hemmungslosen Trompetermusikanten Christoph Gantert kann man sich eigentlich nur vor Publikum vorstellen: Die Platte ist ein Livemitschnitt.
"Knickerstomp", das Titelstück erinnert frappierend an den "East St. Louis Toodle O" von Duke Duke Ellingtons Band der 1920-Jahre. Oldtimejazz-Anklänge sind noch manchesmal hörbar auf dem Album der frohen Zürcher Stadtmusikanten. Doch noch viel mehr: französische Chanson, Rock'n Roll, Blues, Afro, Tango und Schlagerelemente. Diese Schmunzel- und Skurrilmusik, ausgeführt mit viel Gruppengesang, dem Saxofon von Martin Schumacher, Posaune und einer mit viel anarchischem Humor geblasenen Trompete führt uns durch alle möglichen Musizierstile dieser Welt. Die Musiken werden dabei immer nur in Anführungszeichen präsentiert, authentisch will hier niemand sein. Nicht umsonst hat sich Christoph Gantert auch als Theater- und Zirkusmusiker profiliert. Wirklich lustig!

Christoph Merki




Loop, März 2005


Als Kind habe ich oft Worte genommen, sie zwanzig, dreissig Mal hintereinander leise vor mich hingesprochen, bis mir deren Klang dermassen fremd vorkam, dass ich lachen musste. Wer das gleiche mit dem Ausdruck Knickerbocker tut, bekommt so schon eine kleine Ahnung davon, wie die gleichnamige CD der Zürcher Musiker rund um Christoph Gantert und Hansueli Tischhauser (Jean et les Peugeots) klingen könnte. Vertraut nämlich und unbekannt zugleich: Ein wenig Harry Belafonte auf LSD dampft einem da entgegen. Eine Prise Tarantino beim Schlafwandeln auch. Ein Schuss Kriminaltango-Atmosphäre sowie viele spritzige, südamerikanische Rhythmen und Grooves. Eine kleine Wundertüte ist der kurz und bündig gehaltene Silberling, der gerade einmal zweiundreissigeinhalb Minuten dauert. Anspieltipps sind die Liebeserklärung "Lilä", die klingt, als hätte sich Lou Reed mit Kuno Lauener heimlich im Studio getroffen, aber auch die trashige Sprechnummer "Salzstängeli", bei der Melonen mit marinierten Crevetten auf Rauchlachsrouladen samt Hüttenkäse treffen, Champagner-Gelée bedenkenlos vor ein Wodka-Sorbet gestellt wird - um am Schluss alles mit einem urchigen Kräuterlikör namens Appenzeller herunterzupülen. Da zieht es einem den Mund zusammen. Ja, auch so kann man die Musik von Knickerbocker umschreiben.

Daniel Böninger:




NZZ, 19. Februar 2005

Fernweh mit Heimatgefühlen

Knickerbocker im «Helsinki»

Der Musikklub Helsinki verfügt mittlerweile über eine respektable Lüftung, die Heizung allerdings vermag zurzeit nicht an der Berechtigung des Namens zu rütteln. Und so blicken die Musiker von Knickerbocker am Donnerstagabend in eine Ansammlung von tief in ihre Wintermäntel gehüllten Besuchern: eine Herausforderung selbst für diese Bühnenprofis, die mit Partyband-Institutionen wie Clan Miller and The Hot Kotz sogar Zürcher Tanzmuffel zum Shaken brachten.

Entmutigen lassen sie sich deswegen nicht. Mit der Entschlossenheit der Bergwanderer, die in eine Gewitterfront marschieren, wohlweislich aber nicht in Knickerbockers gekleidet, machen sie sich an ihre Arbeit, die Herzen des Publikums zu wärmen. Was läge näher, als dafür die Musik ferner, wärmerer Länder zu bemühen? Am zweiten von drei Konzerten im «Helsinki» vermengt das Zürcher Quintett coolen Jazz, heissblütige Salsa und munteren Mariachi mit Elementen aus Afro, Blues, Polka und Ska; alpenländische Klänge und der Rumpel-Sound eines Tom Waits sind ebenso wenig zu überhören wie die Tatsache, dass Bandleader Christoph Gantert oft im Theater und im Zirkus spielt.

Annatina Escher am Kontrabass gibt stets einen unbeirrbaren Rhythmus vor, den Ali Salvioni mit zeitgemäss trockener oder lateinamerikanisch quirliger Perkussion akzentuiert. Hansueli Tischhauser an der Gitarre treibt die Songs mit kratzigen Riffs meist an, prägt mit anrührend gleitenden Slide-Tönen aber auch ein hawaiisch und ein chinesisch wirkendes Lied. Diese bereichern die Stücke des zur Taufe stehenden Débutalbums zusätzlich.

Martin Schumacher an den Saxophonen und Christoph Gantert an der Trompete sorgen mit messerscharfen Bläsersätzen für Schmiss. Gantert brabbelt dazwischen in verschiedenen Sprachen Texte, die zwischen der Lakonie von Hertz und dem Nonsens von Frostschutz wechseln. Diese komische Seite kommt - wie auch die Spielfreude - erst live durch die Mimik der Musiker voll zur Geltung. Und sie komplettiert ein Konzerterlebnis, das einen zumindest innerlich gewärmt zufrieden nach Hause gehen lässt.

Markus Ganz
Zürich, «Helsinki», 17. Februar.




NZZ am Sonntag 13. Februar 2005, (pap)

Kurzes Glück

Nach 32:28 Minuten ist der Spass vorbei; länger dauert die CD "Knickerbocker" der gleichnamigen Band um den Trompeter Christoph Gantert und den Gitarristen Hansueli Tischhauser einfach nicht. Das ist schade, denn der zwischen Salsa, Jazz und Blues angesiedelte Alpen-Groove des Quintetts ist mitreissend, witzig, orginell, die Bläsersaetze sind eine Wucht.




Sanktgaller Tagblatt, Montag, 7. Februar 2005

Clownesker Klamauk im Frohsinn

War das nun ein Konzert gewesen, oder was war das gewesen? Als die fünf Personen, die sich als Kollektiv "Knicker Bocker" nennen, von der Bühne herabstiegen, war man sich darüber nicht sicher.
Es war Freitagabend zwischen 23 und 23.30 Uhr, und die Vorstellung im Weinfelder Kulturlokal war gerade eben zu Ende. Aber es war um diese fortgeschrittene Zeit immer noch nicht ganz einfach, dem was diese fünf Menschen gerade aufgeführt hatten, einen Namen zu geben. Aber gut war es gewesen. Die Zuhörerschaft, die am Freitagabend den Auftritt von Knicker Bocker aus dem Kanton Zürich miterlebte, fand das auch. Sie wollte auf alle Fälle noch mehr von dem sehen und hören, was diese Knicker-Bocker-Menschen vorher aufgeführt haben. Die meisten Zuhörer waren allerdings auch nicht dazu verpflichtet, darüber einen Artikel zu schreiben.

Eher eine Clownnummer

Also gut, zugegeben, es war ein Konzert. Jedenfalls wurde dabei Musik gespielt und dies vor Publikum. Aber Musik gespielt wird ja auch in einer Clownnummer, manchmal. Und an eine Clownnummer erinnerte diese, sagen wir mal Darbietung, mindestens so sehr wie an ein Konzert. Man wird, wenn man dieser Band zuhört, manchmal das Gefühl nicht los, dass sich die "Knicker Bocker" gar nicht bewusst sind, dass da auch noch ein Publikum sitzt. In diesen Momenten kommt es einem eher vor wie in einer Probe, einfach mit Publikum. Gitarrist Hansueli Tischhauser zum Beispiel macht zeitweise ein Gesicht, wie wenn es hier um gar nichts ginge, und wie wenn er an diesem abend nur gerade zu seinem eigenen Vergnügen Gitarre spielen würde. Zusammen mit Christoph Gantert, Sänger, Trompeter und Komponist, bildet Tischhauser ein Duo wie Laurel und Hardy. Diese beiden machen immer irgend etwas Komisches, und man hat nicht das Gefühl, die Komik sei einstudiert. Sie können wohl einfach nicht anders. Der Schlagzeuger, oder besser gesagt Percussionist, Ali Salvioni, lacht während des Konzerts, wie wenn dies das erste und letzte Mal wäre, dass er mit diesen beiden herrlichen Typen auftreten dürfte. Wenn er nicht gerade sein Stahlen an Annatina verschenkt, die Frau am Kontrabass. Der Einzige in dieser Band, dem man sein Erspartes anvertrauen würde, ist der Mann mit den Klarinetten und Saxofonen, Martin Schumacher. Er verkörpert eine gewisse Seriosität und gibt den beiden Spassvögeln den nötigen Rückhalt, unterstützt vom Pecussionisten und von der Bassistin..

Spielzeugauto und Wecker

Vielleicht doch noch ein paar Worte über die Musik. Im Stilsalat den "Knicker Bocker" nach eigenen Angaben "gartenfrisch" servieren, kommen alle möglichen Sorten von Volksmusik vor, europäische, afrikanische, nord- und südamerikanische, inklusive Blues und Jazz, meist vorgetragen mit dominanten, temperamentvollen Blasinstrumenten. Es ist überhaupt die Kombination der Instrumente, welche den Stil ausmacht. Bisweilen hat man den Eindruck, es handle sich um einen Versuch, x-beliebige Instrumente miteinander zu paaren und zu schauen, wie die Kreuzung tönt, die dabei herauskommt. Zum Beispiel eine Bassklarinette mit einem Spielzeugauto. Oder ein Wecker mit einer Maultrommel. Es ist aber der Gesang von Christoph Gantert, der dem Klamauk die Krone aufsetzt. In Englisch, Spanisch, Französisch oder Züritüütsch macht er aus allem, was Musik ist, eine Parodie.
Knicker Bocker ist eine Band, die man sich zwar merken, die man aber nicht allzu ernst nehmen sollte...

David Angst